„Der Feind in den eigenen Reihen“ – was tun, wenn man sich von einem Gesellschafter-Geschäftsführer trennen muss?

16.03.2016

Der Beginn der Zusammenarbeit von Gesellschaften mit ihren Leitungsorganen ist meist positiv und euphorisch geprägt. Gerade bei Unternehmen mit einem überschaubaren Gesellschafterkreis und der Bestellung von Gesellschaftern zu Geschäftsführern „kippt“ die anfänglich gute Stimmung gelegentlich. Hintergrund sind häufig Meinungsverschiedenheiten über die Geschäftspolitik oder das Gefühl Einzelner, zum Unternehmenserfolg einen größeren Beitrag zu leisten als andere Mitgesellschafter.

In der Folge richtet sich der Gesellschafter-Geschäftsführer mitunter gegen die Interessen der Gesellschaft, z.B. durch den verdeckten Aufbau eines Konkurrenzunternehmens. Die übrigen Gesellschafter sehen sich, wenn sie von diesen Machenschaften des Kollegen Kenntnis erlangen, mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Zunächst kommt es auf schnelles Handeln an, um den abtrünnigen Geschäftsführer seines Amtes zu entheben und ihm damit zunächst den Zugriff auf die Unterlagen und Bücher der Gesellschaft zu entziehen. Zudem haben die Mitgesellschafter ein erhebliches Interesse daran, den Betroffenen auch aus dem Gesellschafterkreis auszuschließen. Solange dies nicht erfolgt ist, hat der abtrünnige Gesellschafter weiterhin umfassende Informationsrechte, die nur nach umfassender Prüfung im Einzelfall unerfüllt bleiben können. Die Gesamtsituation des Unternehmens ist in solchen Fällen kritisch. Die erste Herausforderung ist es, extern gegenüber Geschäftspartnern den richtigen Ton zur Erklärung der Problemlage zu finden und gleichzeitig nicht an Souveränität einzubüßen. Intern liegt das Spannungsverhältnis darin, einerseits den fortlaufenden Betrieb nicht zu gefährden und andererseits die Loyalität der engeren Mitarbeiter der Geschäftsführung gebührend zu hinterfragen.

In der rechtlichen Umsetzung muss Vieles schnell gehen. Insbesondere ist die Kündigung von Geschäftsführern aus wichtigem Grund an eine zweiwöchige Frist gebunden. Zudem können Beweise für das Fehlverhalten des Betroffenen und vertrauliche Informationen der Gesellschaft (Kundenlisten, Preisgestaltung, Strategiepläne, etc.), nicht selten nur im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes effektiv gesichert werden.

Dr. Philipp Rüppell und Dr. Petra Hoffmann sind in der Praxisgruppe Prozessführung, Schiedsverfahren und ADR spezialisiert auf den Bereich Corporate Litigation. In einem aktuellen Beitrag in der Zeitschrift Betriebs-Berater (11/2016, S. 645 ff.) setzen sie sich in Form eines Leitfadens mit den rechtlichen und tatsächlichen Herausforderungen der Abberufung und Kündigungen von Geschäftsführern aus wichtigem Grund in der GmbH auseinander. Die Veröffentlichung korrespondiert mit einem zweiten Beitrag, dessen Veröffentlichung voraussichtlich in Heft 18 der Zeitschrift Betriebs-Berater erfolgen wird. Dort werden die Autoren ihren Leitfaden ausweiten auf die Thematik der Einziehung von Geschäftsanteilen aus wichtigem Grund.

 

 

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Practice Group:      Prozessführung, Schiedsverfahren & ADR