Litigation-PR: Drei Fragen an Dr. Armin Sieber und Prof. Dr. Thomas Klindt

22.01.2018

Große Wirtschaftsverfahren vor Zivil- und Strafgerichten werden heute fast immer auch von Profis der Litigation-PR begleitet. Hat das die Prozesskultur verändert?

Armin Sieber: Das wird immer wieder behauptet, dennoch halte ich dagegen: Wirklichen Einfluss auf den Prozessverlauf haben wie eh und je die beteiligten Parteien – also vor allem deren Rechtsanwälte – und die Richter. Sie sind die wahren Herren des Verfahrens. Das heißt andererseits aber auch nicht, dass die mediale Begleitmusik nun überhaupt keinen Eindruck auf die Prozessbeteiligten macht. Einen angeklagten Manager lässt negative Presse nicht kalt und das kann Einfluss auf die Prozesstaktik haben. Hier liegt auch das wahre Aufgabenfeld der Litigation-PR: Mit Sachargumenten für die Sache der Betroffenen zu werben und der medialen Dynamik der Vorverurteilung etwas entgegenzusetzen.

Auf Richter hat Litigation-PR keinen Einfluss?

Thomas Klindt: Zunächst: Ich warne davor, Litiagtion-PR zur Beeinflussung des Gerichts einzusetzen. Solche Versuche sind in der Praxis schon grandios gescheitert. Richter haben ein feines Gespür dafür, wenn sie instrumentalisiert werden sollen. Dass sich Prozessbeteiligte heute aber stärker denn je um ihre öffentliche Reputation bemühen – dafür haben Richter in aller Regel Verständnis. Gute Litigation-PR kann in Zivilprozessen zudem als Eisbrecher für eine außergerichtliche Einigung sehr hilfreich sein. Die Parteien können sich dann gesichtswahrend die Hände reichen. Das ist häufig allemal besser, als es auf ein Urteil ankommen zu lassen.

Wie sollten Anwalt und Kommunikator zusammenarbeiten?

Thomas Klindt: Auf Augenhöhe! Beide sind Profis in ihrem jeweiligen Metier und das sollte die Zusammenarbeit prägen. Bei jeder prozessualen Handlung muss ich als Anwalt die mediale Wirkung berücksichtigen. Wie wird die Öffentlichkeit reagieren? Hat das Auswirkungen auf die Reputation des Mandaten? Sollten wir deshalb unsere Strategie erläutern – und in welcher Art und Weise soll das geschehen? Vielleicht mit einem Interview oder mit einem Hintergrundgespräch mit ausgewählten Journalisten? Das sind alles keine trivialen Fragen und dafür braucht es den Sachverstand eines Experten auf diesem Gebiet.

Armin Sieber: Auch der Litigation-PR-Experte ist auf den ständigen Austausch mit dem Anwalt angewiesen. Denn nur ein Anwalt kann beurteilen, ob eine mediale Strategie prozesstaktisch ins Aus führt oder einen Haftungsfall provoziert. Litigation-PR ist deshalb auch eine Kunst des Schweigens. Reputationsschäden müssen ständig mit juristischen Risiken abgewogen werden. 


Dr. Armin Sieber ist Publizist und Kommunikationsberater. Er diskutiert am 6. Februar 2018 gemeinsam Andrea Titz, Richterin und Direktorin Amtsgericht Wolfratshausen, und Noerr-Partner Prof. Dr. Thomas Klindt über das Thema „Manager am Medienpranger. Erfolgsstrategien mit Litigation PR“.

Weitere Informationen und Anmeldung.