Mergermarket Germany Forum – gute Aussichten für den M&A-Markt 2018

26.04.2018

Erneut war Noerr Hauptpartner für die rechtlichen Fragestellungen des jährlichen Mergermarket Germany Forums vom 21.-22. März 2018.

Im Rahmen der Veranstaltung, an der mehr als 400 Kreditnehmer, Käufer, Kreditgeber und Investoren teilnahmen, und bei der über 50 Experten zu angeregten Fachdiskussionen und Networking beitrugen, wurden die neuesten Trends bei Capital Raising und M&A vorgestellt. Hauptredner waren der Ökonom Thorsten Polleit und der Chief Digital Officer von Evonik, Henrik Hahn.

Thomas Schulz,  Leiter des Londoner Büros von Noerr, war Co-Leiter der zweitägigen Veranstaltung, außerdem nahmen die Partner Florian Becker, Tom Beckerhoff, Michael Brellochs und Georg Schneider an Gremiensitzungen teil.

Auf der Konferenz wurden die positiven Aussichten für die deutsche Wirtschaft angesichts günstiger Finanzierungsbedingungen und einer nunmehr gebildeten Bundesregierung herausgestellt. Als größte Risiken wurden die Geopolitik und die hohe Verschuldung ausgemacht. Es wurden folgende weitere Punkte erörtert:

Rückblick auf 2017

  • Mit 948 Inbound- und Outbound-Deals und einem kombinierten Wert von über 110 Milliarden Euro, d.h. einer Steigerung von 36,9 % gegenüber dem Gesamtwert von 81,2 Milliarden Euro des Jahres 2016, war 2017 ein erfolgreiches Jahr für M&A in Deutschland.
  • Getragen wurde dieser Anstieg durch die anhaltende Stärke der Industrie- und Chemiebranche. 2017 generierte dieser Sektor 311 Deals im Wert von 77,8 Milliarden Euro, der höchste jemals verzeichnete Wert und die höchste jemals verzeichnete Anzahl von Deals. Der 40,5 Milliarden Euro-Deal zwischen Praxair und Linde machte hierbei 52,1 % des erwähnten Gesamtwerts aus. Weitere große Deals waren Siemens/Alston und Uniper/Fortum.

  • Auch die Automobilbranche erlebte 2017 mit 50 Deals mit einem gemeldeten Wert von 5,6 Milliarden Euro einen deutlichen Aufschwung. Hierzu zählt die Übernahme des Automobilteilehändlers STAHLGRUBER durch den US-Konzern OEM LKQ für 1,5 Milliarden Euro, der Erwerb von Adam Opel und Vauxhall Motors durch PSA Peugeot-Citroen für 1,1 Milliarden Euro sowie Aufstockung der Beteiligung der Familien Porsche und Piech an Porsche für 1,2 Milliarden Euro.

  • Die PE-Industrie war mit Large Cap Deals wie ista, STADA, ceramtech und weiteren Unternehmen ebenfalls stark. Es gab außerdem starke Mid-Market- und Portfolio-Aktivitäten mit Deals wie Lexington Partners/SevenVentures, Bridgepoint/Bike24 und Silverfleet/7days.

Themen und Trends

  • Hohe Preise erfordern Disziplin und ein klares Verständnis dafür, wo der einmalige Ansatzpunkt für die Investition liegt.
  • Innovation durch M&A mit dem Ziel, auf die neuesten Technologien zu setzen, vorangetrieben durch die Digitalisierung des Produktionsbereichs (Industrie 4.0). Für bestimmte Branchen, wie die Chemiebranche, kann die Digitalisierung hinderlich sein; für die meisten Branchen hingegen führt Innovation voraussichtlich eher zu Effizienzgewinnen (siehe z. B. Uber) als  zu einer fundamentalen Änderung von Geschäftsmodellen  (siehe z. B. iPhone). In anderen Branchen übernehmen Unternehmen wie Daimler mit ca. 15 Transaktionen  zur Förderung digitaler Geschäftsmodelle, eine Vorreiterrolle.

  • Private Debt machen ca. 30 % hochverzinslicher Finanzierungen aus, mit einem anhaltenden Trend zur Gewährung von Krediten mit erleichterten Auflagen oder geringeren Dokumentationspflichten. Voraussichtlich wird es einen Anstieg der Zahl der Finanzierungsfonds geben, jedoch werden nicht alle überleben. Prüfstein wird der Anstieg von Zinsen und das Potential für Sanierungen sein.

  • China: Die Inbound-Aktivitäten sind weiterhin stark, wenngleich sich das politische Klima in Deutschland, der EU und den USA in Richtung einer verstärkten Regulierung bewegt.

  • Family Offices können mithilfe langfristiger Strategien bei der Bildung von  Vermögenswerten von vielen Vorteilen profitieren.

  • Shareholder Activism spielt in der deutschen M&A-Szene eine wichtige Rolle.

„2018 scheint ein erfolgreiches Jahr für M&A in Deutschland zu werden. Die Digitalisierung stellt hierbei eine besonders interessante Entwicklung dar, wobei Transaktionen von Unternehmen wie Daimler aufzeigen, wie digitale Geschäftsmodelle mit Industrie 4.0 in Einklang gebracht werden können“, so Thomas Schulz zu diesem Thema.

„Die Restrukturierung der Versicherungs- und Bankenbranche ist, wie sich in Run-Off-Transaktionen und in der erfolgreichen Privatisierung der HSH Nordbank zeigt, weiterhin ein wichtiges Thema.

„Das aktuelle Geschäftsumfeld ermöglicht große und komplexe Deals, wie man an den jüngst geschlossene Deals wie STADA, RWE/E.ON/Innogy und Kering/Puma sehen kann. Zunehmend werden auch Börsengänge attraktiver, wie sich am Beispiel von Hello Fresh, Delivery Hero, Healthineers und DWS zeigt.“