Produktpiraterie: Bekleidungswirtschaft gehen jährlich Milliarden verloren

30.07.2015

 

Die Europäische Beobachtungsstelle für Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums mit Sitz in Alicante hat am 21. Juli 2015 ihre zweite Branchenstudie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Fälschungen und Produktpiraterie veröffentlicht. Die Studie betrifft den Bereich Bekleidung, Schuhe und Zubehör (wie Krawatten, Halstücher, Gürtel, etc.).

Die Studie stellt fest, dass Fälschungen und Produktpiraterie in diesen Bereichen für die Beklei-dungswirtschaft zu jährlichen Umsatzeinbußen in Höhe von über 26 Milliarden Euro (fast 10% des Gesamtumsatzes) und zu 363.000 verlorenen Arbeitsplätzen führen. Auch Zulieferer und andere Marktteilnehmer sind betroffen. Hier liegen die Umsatzeinbußen bei etwa 17,3 Milliarden Euro, was zu rund 155.000 weniger Arbeitsplätzen führt. Alleine in Deutschland betragen die Umsatzeinbußen ca. 3,5 Milliarden Euro, was zu einem Verlust von mehr als 40.000 Arbeitsplätzen führt. Auch in anderen EU-Ländern wie Italien, Großbritannien, Frankreich und Spanien führt die Produktpiraterie zu Umsatzeinbußen von 3,5 bis 4,5 Milliarden Euro und zum Verlust von 25.000 bis 50.000 Arbeitsplätzen. Da bei der Herstellung und dem Vertrieb von Fälschungen keine Steuern abgeführt werden, gehen auch Staatseinnahmen von etwa 8 Milliarden Euro verloren.

Bereits im März 2015 veröffentlichte die Beobachtungsstelle ihre erste Studie betreffend die Kosmetik- und Körperpflegeindustrie. In diesem Bereich führen Fälschungen und Produktpiraterie zu jährlichen Umsatzeinbußen in Höhe von 4,7 Milliarden Euro (7,8% des Gesamtumsatzes) und zu über 50.000 verlorenen Arbeitsplätzen. Bei den Zulieferern und den anderen Marktteilnehmern liegen die Umsatzeinbußen bei etwa 4,8 Milliarden Euro, was zu rund 30.000 weniger Arbeitsplätzen führt. In Deutschland betragen die Umsatzeinbußen ca. 481 Millionen Euro. Die Staatseinnahmen fallen in diesem Bereich rund 1,7 Milliarden Euro geringer aus.

Die beiden Studien folgen einer Studie der Beobachtungsstelle zum Beitrag der schutzrechtsintensiven Industrien zur Wirtschaftsleistung und Beschäftigung in der EU. Sie bilden den Auftakt zu einer Reihe weiterer Branchenstudien, die voraussichtlich in den nächsten Monaten veröffentlicht werden. Inhaltlich befassen sich diese unter anderem mit den Auswirkungen von Fälschungen und Produktpiraterie im Bereich der Getränke-, Spielzeug-, Automobil sowie die Uhren und Schmuckindustrie. Gemeinsam sollen die Studien ein vollständiges Bild der negativen Auswirkungen von Marken- und Produktpiraterie auf die Wirtschaft der EU aufzeigen und die Entwicklung einer wirksamen Durchsetzungspolitik unterstützen.

 

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie gerne: Dr. Tobias Dolde oder Philipp Homann
Practice Group: Gewerblicher Rechtsschutz: Marken & Patente