UBA-Studie räumt mit dem Märchen von der geplanten Obsoleszenz auf

17.02.2016

Fernseher mit vom Hersteller festgelegter maximaler Lebensdauer? Waschmaschinen mit eingebautem Zerstörungsmodus? Kein Beispiel scheint absurd genug, um nicht als Beleg für die Verschwörungstheorie von der geplanten Obsoleszenz zu dienen, also der angeblich gezielten Verkürzung der Lebensdauer von Produkten durch vom Hersteller eingebaute Mängel. Allein: Die geplante Obsoleszenz ist ein Klischee, ein moderner Mythos ohne jeden Bezug zur Realität. Eindrucksvoll belegt das jetzt eine Studie des Umweltbundesamts (UBA).

Den Praktiker überrascht das Ergebnis wenig. Industrieprodukte werden heute für einen weltweiten Markt produziert, es geht um Standarisierung, Kosteneffizienz und die Hebung von Skaleneffekten.  Eingebaute Mängel würden nicht zu einem höheren Absatz der Produkte führen – so die kenntnisfrei formulierte Theorie –, sondern den auf harmonisierten technischen Standards aufbauenden Produktionsprozess massiv stören und verteuern. Betriebswirtschaftlich wäre das Selbstmord.

Simple Fakten stören zwar die Verschwörungstheoretiker in der Online-Welt wenig, die ach so schöne Theorie hat aber gerade die Untersuchung vom UBA zum Einsturz gebracht. Die Experten ziehen den Schluss, dass die vielfach behauptete geplante Obsoleszenz nicht nachzuweisen ist. Jedes andere Ergebnis wäre in der Fachwelt auch auf ungläubiges Staunen gestoßen.

Zu den Fakten: Schon der Blick durch die Juristenbrille offenbart Erstaunliches. Immer wieder wird den Herstellern unterstellt, das ihre Produkte häufig nach Ablauf der Gewährleistungsfrist versagen. Nun ist tatsächlich im europäischen Recht die Mindest-Gewährleistung harmonisiert. Das ändert aber nichts an den sonstigen Besonderheiten der nationalen Kaufrechte über die Fortführung, Weitergabe oder Verlängerung von Gewährleistungsverpflichtungen. Und außerhalb der EU ist jedes industrielle Vertriebsland eine eigene Rechtsinsel mit eigenen Gewährleistungsanfängen und -enden.

Überhaupt lohnt der Blick über den europäischen Binnenmarkt hinaus: Für die Industrie ist eine möglichst kosteneffiziente, skalen-optimierte Produktfertigung absolut notwendig. Erst auf dieser Grundlage eröffnen sich seriell hergestellten Gütern weltweite Absatzchancen. Deshalb erfreuen sich international harmonisierte technische Standards wie ISO-Normen ja auch so großer Beliebtheit bei den Herstellern. Margeneffekte sind bei kleinteiliger und von Land zu Land unterschiedlich Produktion schnell verbraucht. Folgt man der simplen Weltsicht der Verschwörungstheoretiker müsste also jedes Bauteil auf die Gewährleistungsfrist des geplanten Vertriebslandes in der Sollbruchstelle abzustimmen sein – unvorstellbar.

Schließlich: Wenn die Hersteller es angeblich darauf abgesehen haben, ihre Produkte möglichst rasch ins Nirvana zu befördern: Warum dann dieser enorme Aufwand auf der Service-Seite? Insbesondere im Elektrogerätebereich ist das ein sehr großer Posten in den Unternehmens-Budgets: Es gibt dazu eigene Servicelinien, Hotlines und elektrotechnisch geschultes Personal im Wartungsbereich.

Und noch mehr: Viele Hersteller betreiben ungeheuer große Bewirtschaftungszentren für eine umfassende Ersatzteilversorgung auch längst ausgelisteter Produkte. Hinter all dieser Bevorratung steckt – selbstredend – ebenfalls ein unternehmensinterner Margendruck. Das sind keine Potemkinschen Dörfer, sondern hier werden handfeste Wertschöpfungserwartungen in der Zweitberechnung gegenüber dem Erstkunden sichtbar.