Mergermarket M&A and Private Equity Forum - Expansionsfreudige Konzerne beflügeln deutschen M&A-Markt

12.03.2014

Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches M&A-Jahr in Europa und in Deutschland sind derzeit günstig: Gut gefüllte Konzernkassen und eine erstarkte PE-Branche könnten für ein Fusionsfieber sorgen. „Entscheidender dürften jedoch Risikofreude auf Seiten der kaufenden Konzerne und vernünftige Kaufpreiserwartungen auf Verkäuferseite sein“, so die Einschätzung von Dr. Thomas Schulz, Partner der Wirtschaftskanzlei Noerr LLP, auf dem diesjährigen „Mergermarket German M&A and Private Equity Forum“ in Düsseldorf.

Die Erwartungen an eine Marktbelebung seien einerseits zu Recht hoch: „Es gibt derzeit einen Trend hin zu größeren Transaktionen“, sagte Schulz, der die vom Branchendienst Mergermarket und Noerr gemeinsam ausgerichtete Veranstaltung moderierte. Schulz erinnerte an den Verkauf von Vodafones‘ 45-Prozent-Beteiligung an Verizon Wireless an den Mutterkonzern Verizon für 130 Milliarden Dollar, den folgenden Kauf von Kabel Deutschland durch Vodafone oder an die Akquisition des osteuropäischen Breitbandanbieters GTS durch die Deutsche Telekom. Zwar sei die Zahl der M&A-Deals insgesamt rückläufig, andererseits sei das Volumen der Transaktionen gestiegen.

„Treiber waren bislang zudem eher die Märkte in den USA und Asien“, betonte Schulz. Insbesondere die Konsolidierung in Branchen wie der Telekommunikation sei dafür verantwortlich. Die Chancen, dass dieser Trend auch den europäischen und deutschen M&A-Markt erfasst, stünden aber gut. „Die Konzerne haben seit der Finanzkrise die Kassen gut gefüllt und teilweise bereits verkündet, stärker in Wachstum durch Fusionen und Übernahmen zu investieren“, sagte Schulz. Allerdings hänge der Erfolg auch davon ab, ob es gelinge, die traditionelle Akquisitionsvorsicht europäischer Konzerne zu überwinden. „Und nicht zuletzt darf es auch auf Verkäuferseite keine überzogenen Preisvorstellungen geben.“

Zum Erfolg des M&A-Jahrs 2014 könnte auch Private Equity verstärkt beitragen. „Insbesondere amerikanische Fonds sind gut aufgestellt“, erläuterte Schulz. Die Früchte hingen aber hoch und Investoren müssten einen längeren Atem mitbringen. Engagements erforderten zunehmend die Bereitschaft der Investoren, das Geschäftsmodell der Zielunternehmen weiterzuentwickeln oder in neue Märkte zu expandieren. Die Aussicht auf 2014 sei daher gut, wenn auch die zunehmende Regulierung und Krisen wie in der Ukraine zur Verunsicherung beitrügen.

In bester Verfassung seien dagegen bereits heute die deutschen Märkte für Real Estate- und Distressed M&A. „2013 und bereits zu Beginn des Jahres 2014 gab es im Immobiliensektor die größten Transaktionen seit Jahren“, betonte Schulz. Darunter u.a. die Übernahme der GBW durch ein Konsortium um die PATRIZIA Immobilen AG (Volumen 2,5 Mrd. Euro) oder die Akquisition von 41.000 Wohneinheiten der Vitus-Gruppe (1,4 Mrd. Euro) und der DeWAG (970 Mill. Euro) durch die Deutsche Annington.

Über die große Rolle, die Distressed M&A heute für Investoren spielt, diskutierte auf dem Mergermarket-Panel Prof. Dr. Christian Pleister, Co-Head des Noerr-Fachbereichs Corporate, mit Henry Jackson, Managing Partner und CEO von OpCapita. „Das neue deutsche Insolvenzrecht ESUG hat Investoren großartige neue Möglichkeiten eröffnet, sich aktiver an der Restrukturierung und Sanierung von Unternehmen in Krise und Insolvenz zu beteiligen“, hob Pleister hervor. Unter dem ESUG seien bereits einige standardsetzende Restrukturierungen erfolgreich abgeschlossen worden, etwa im Fall von Pfleiderer oder bei der Rettung des Solarunternehmens centrotherm. Die erfolgreiche Sanierung der A.T.U-Gruppe demonstriere zudem die gestiegene Bedeutung von Debt Fonds im Sanierungsprozess.