Die Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung: Ganzheitliche Potentiale für Wirtschaft, Investoren und die öffentliche Hand für die digitale Transformation – Noerr Insight No. 3
Die Bundesregierung hat am 18. März 2026 ihre nationale Rechenzentrumsstrategie verabschiedet und damit ein zentrales Vorhaben des Koalitionsvertrags der 21. Legislaturperiode umgesetzt: die gezielte Stärkung Deutschlands als attraktiven, führenden und souveränen Rechenzentrumsstandort. Bereits im Vorfeld hatte das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung eine Online-Konsultation initiiert, um im Rahmen eines breiten Beteiligungsprozesses Perspektiven von Stakeholdern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft in die Entwicklung der Rechenzentrumsstrategie einzubeziehen.
Die in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dem Bundesministerium der Finanzen, dem Bundesministerium für Forschung und Technologie und Raumfahrt und dem Bundeskanzleramt erarbeitete Strategie verfolgt das Ziel, die digitale Transformation Deutschlands zukunftsfähig auszubauen, insbesondere durch eine Verdopplung der Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland bis zum Jahr 2030. Dies im Blick setzt die Strategie zunächst beim Status quo an, indem sie Deutschland im internationalen Wettbewerb verortet und sowohl globale Marktentwicklungen als auch nationale Stärken und Schwächen analysiert. Darauf aufbauend werden drei zentrale Handlungsfelder identifiziert: Energie und Nachhaltigkeit, Standort und Fläche sowie Technologie und Souveränität. Für jedes dieser Handlungsfelder formuliert die Strategie einzelne Ziele und benennt Maßnahmen zu deren Umsetzung. Abschließend werden die nächsten Schritte zur praktischen Realisierung der Strategie skizziert.
Während der erste Beitrag dieser Beitragsreihe die wesentlichen Inhalte, Ziele und Chancen der Rechenzentrumsstrategie und das Handlungsfeld 1 „Energie und Nachhaltigkeit“ vorgestellt und der zweite Beitrag das Handlungsfeld 2 „Standort und Fläche“ untersucht hat, erläutert dieser dritte Beitrag das Handlungsfeld 3 „Technologie und Souveränität“. Im vierten Beitrag werden schließlich die aus der Rechenzentrumsstrategie resultierenden wirtschaftlichen Chancen und unternehmerischen Potentiale betrachtet sowie wird ein Resümee gezogen.
Im dritten Handlungsfeld „Technologie und Souveränität“ verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die nationale und europäische Digitalwirtschaft nachhaltig zu stärken und unabhängig von außereuropäischen Anbietern zu machen. Im Mittelpunkt stehen dabei der Ausbau eigener technologischer Kapazitäten, die Stärkung von Datenhoheit und -souveränität sowie die systematische Reduktion bestehender Abhängigkeiten.
Zugleich betont die Rechenzentrumsstrategie die Bedeutung von Rechenzentren für die nationale Sicherheit. Neben der technologischen Unabhängigkeit sind daher auch physische Resilienz sowie autarke Energiekonzepte von Bedeutung. Darüber hinaus wird hervorgehoben, dass insbesondere für staatliche Stellen die Nutzung zugelassener und vertrauenswürdiger Cloud-Lösungen essentiell ist. Kritische Komponenten sollen möglichst ausschließlich von verlässlichen Herstellern bezogen werden.
Vor diesem Hintergrund formuliert die Strategie drei zentrale Zielsetzungen mit Blick auf das zweite Handlungsfeld: den Ausbau souveräner und hochleistungsfähiger Recheninfrastrukturen bahnbrechender Technologien (hierzu unter Buchstabe A.), die Förderung innovativer Technologien (hierzu unter Buchstabe B.) und die Stärkung der Anwendung und Nutzung souveräner Rechenkapazitäten (hierzu unter Buchstabe C.).
A. Ausbau souveräner und hochleistungsfähiger Recheninfrastrukturen bahnbrechender Technologien
Ziel ist der Aufbau und die Stärkung wettbewerbsfähiger europäischer Alternativen im Bereich Cloud- und KI-Infrastrukturen. Hierzu sollen bestehende Forschungsnetzwerke weiter ausgebaut und Initiativen wie sogenannte „KI-Fabriken“ gestärkt werden. Neben staatlichen Infrastrukturen soll auch der Zugang zu kommerziellen IT-Angeboten für die öffentliche Verwaltung verbessert werden.
Ein zentrales Vorhaben ist die Ansiedlung mindestens einer sogenannten KI-Gigafabrik in Deutschland. Dabei handelt es sich um ein primär kommerziell ausgerichtetes Großprojekt, das auf ein tragfähiges Geschäftsmodell angewiesen ist und sowohl die Bedarfe der europäischen Wirtschaft als auch öffentliche Anforderungen abdecken soll. Die Auswahl entsprechender Projekte erfolgt auf europäischer Ebene im Rahmen eines Förderverfahrens im Sommer 2026, bei dem bis zu fünf Standorte in der EU vorgesehen sind.
Flankierend setzt sich die Bundesregierung für geeignete Rahmenbedingungen auf EU-Ebene ein, insbesondere im Hinblick auf den geplanten EU Cloud and AI Development Act. Dieser zielt darauf ab, durch die Förderung von KI-Gigafabriken, die Festlegung von Mindeststandards für Cloud-Dienste sowie die Unterstützung der Entwicklung fortschrittlicher KI-Chips zentrale KI-Ökosysteme in der EU zu stärken. Ein erster Vorschlag der Europäischen Kommission ist für das Frühjahr 2026 angekündigt.
Auch der Ausbau nationaler Kapazitäten im Hochleistungsrechnen sowie die stärkere Vernetzung mit Zukunftstechnologien wie dem Quantencomputing werden gezielt gefördert.
Zudem soll die Nutzung von Cloud-Technologien in der öffentlichen Verwaltung im Sinne des „Cloud First“-Prinzips ausgeweitet werden, wonach Cloud-Lösungen vorrangig gegenüber traditionellen IT-Infrastrukturen zu prüfen sind. Hierzu ist eine strategische Roadmap zur Migration in Cloud-Umgebungen vorgesehen.
B. Förderung innovativer Technologien
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der gezielten Förderung technologischer Innovationen, insbesondere in den Bereichen KI, Cloud- und Edge-Computing. Hintergrund ist, dass in zentralen Technologiefeldern – etwa bei Prozessoren oder Speicherlösungen – bislang nur begrenzt wettbewerbsfähige europäische Angebote existieren. Die Strategie setzt daher auf eine stärkere Bündelung von Know-how im Rahmen paneuropäischer Projekte, um die Entwicklung moderner Cloud- und KI-Technologien voranzutreiben.
Darüber hinaus sollen innovative und nachhaltige Rechenzentrumstechnologien gezielt gefördert werden, unter anderem durch entsprechende Förderprogramme.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Cybersicherheit. Rechenzentren werden ausdrücklich als Teil der kritischen Infrastruktur eingeordnet, deren Schutz vor Angriffen und Störungen essenziell ist. Die Bundesregierung beabsichtigt daher, Forschung und internationale Zusammenarbeit im Bereich Cybersicherheit und Cyberresilienz weiter auszubauen, um die bestehende technologische Stärke Deutschlands in diesem Bereich zu sichern und zu erweitern.
C. Stärkung der Anwendung und Nutzung souveräner Rechenkapazitäten
Neben dem Ausbau von Kapazitäten und Technologien soll auch deren tatsächliche Nutzung gefördert werden. Eine stärkere Inanspruchnahme souveräner Cloud- und KI-Infrastrukturen soll dazu beitragen, die staatliche Handlungsfähigkeit zu sichern, geopolitische Abhängigkeiten zu reduzieren und Innovationen entlang europäischer Wertschöpfungsketten zu fördern.
Auf europäischer Ebene setzt sich die Bundesregierung für verbesserte Rahmenbedingungen ein, insbesondere durch Erleichterungen im öffentlichen Vergaberecht sowie eine bessere Sichtbarkeit und Zugänglichkeit europäischer Anbieter für eine leichtere Beschaffung etwa durch einen europäischen Marktplatz.
Zudem soll die Integration europäischer Technologien beim Aufbau und Betrieb von Recheninfrastrukturen gestärkt werden, etwa durch gezielte Anreize und verbindliche Vorgaben.
Ein konkretes Vorhaben ist die Entwicklung einer souveränen Cloud-Plattform für KI-Anwendungen als Bestandteil des „Deutschland-Stacks“. Hierzu führt die Bundesregierung ein entsprechendes Vergabeverfahren durch, das die Grundlage für eine leistungsfähige und unabhängige Cloud-Infrastruktur schaffen soll.
Schließlich soll die Vernetzung zentraler Akteure – darunter Start-ups, mittelständische Unternehmen, Industrie, Telekommunikationsunternehmen, Rechenzentrumsbetreiber und Forschung – gezielt verbessert werden. Die öffentliche Hand übernimmt hierbei eine wichtige Rolle als Ankerkunde.
Unternehmen wird empfohlen, sich mit den wesentlichen Inhalten der Rechenzentrumsstrategie und den einzelnen Handlungsfeldern vertraut zu machen. Zudem sollten die aktuellen Entwicklungen, insbesondere die Umsetzung der Inhalte der Rechenzentrumsstrategie in konkreten Gesetzesvorhaben verfolgt werden. In dieser Noerr Beitragsreihe begleiten wir diese Entwicklungen engmaschig. Im folgenden und abschließenden vierten Teil der Reihe werden die aus der Rechenzentrumsstrategie resultierenden wirtschaftlichen Chancen und unternehmerischen Potentiale beleuchtet, bevor ein Resümee gezogen wird.
Bestens
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